Regionaler Reformationstag

Martin Luther und die Juden – immer noch ein schwieriges Thema
Ausstellung und Vortrag in der Kreuzkirche

Vor drei Jahren wurde das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert, auch hier in unserer Region. Aus diesem Anlass überwogen die Stimmen und Beiträge, die sich mit den Folgen des Ablasshandels beschäftigten. Eine neue Freiheit wurde gerühmt, die in ihren Grundzügen heute immer noch gelten sollte. Vor allem die Forderung der Reformatoren, die biblischen Schriften zu studieren und den christlichen Glauben immer wieder neu im biblischen Wort zu begründen, dürfte heute so aktuell und wichtig sein wie damals.

Erinnert sei aber auch an eine grundlegende Forderung zum Umgang mit den „Anderen“, die Martin Luther erhob: „Sine vi, sed verbo“ – „Nicht mit Gewalt, sondern mit dem Wort“ solle ein Christ geistliche, theologische, religiöse Auseinandersetzungen führen. Was für eine wichtige und hilfreiche Erinnerung im Zeitalter interreligiösen Zusammenlebens! Umso erschreckender ist es, zu erfahren, wie sich der Reformator selbst gegenüber „Anderen“ und insbesondere gegenüber Juden verhalten und artikuliert hat. Die sieben „Empfehlungen“ zum Umgang mit den Juden, die Luther in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ abgibt, lesen sich wie eine Anstiftung zum Pogrom. Kann man die erklärte Judenfeind-schaft, die sich in dieser und anderen Schriften Luthers ausdrückt, als „Entgleisung“ betrachten oder als zeitbedingt relativieren? Das scheint nicht möglich, ist es doch offensichtlich, dass Luther Zeit seines Lebens davon ausging, dass das Judentum verblendet ist und einer Irrlehre anhängt. So versucht er zu Beginn seines Wirkens noch, die Juden mit freundlicher Umwerbung „auf den rechten Weg“ zu bringen. Zum Ende seines Lebens aber fordert Luther geradezu zur Gewaltanwendung auf und benutzt eine derart unflätige Sprache, dass selbst Zeitgenossen entsetzt sind ob solcher „schmutzigen Ausfälle“ (Heinrich Bullinger, 1504-1575) gegen das Judentum. Wie passt nun der aggressiv antijüdische Luther zu dem Luther, der als Waffe des geistigen Kampfes nur das Wort gelten lassen will? Wird Luther seinen eigenen Prinzipien untreu? Oder geht das antijüdische Moment in seiner Theologie doch tiefer? Bezieht Luther gar aus der Konstruktion des schärfsten Gegensatzes zum Judentum seine reformatorische Energie? Luthers Ansage, Christus allein solle die Richtschnur des Bibelverständnisses sein, war eine Kampfansage an seine Kirche. Wie kann solches Schriftverständnis aber heute in einen fruchtbaren Dialog mit jüdischer Schriftauslegung treten, die die Schrift anders liest und versteht? Die Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht – Martin Luther und die Juden“ will informieren und zu einer umfassenden Auseinandersetzung anregen. Damit kann ein Lernprozess befördert werden, der für das Zusammenleben in einer globalisierten Welt unverzichtbar ist. „Denn wir sind Menschen von Gott dem Allmächtigen auf der Erden zu wohnen geschaffen, bei euch und mit euch zu wohnen und zu handeln.“ (Josel von Rosheim, Sprecher der Judenschaft in Deutschland, 1530).
(Aus dem Vorwort zur Ausstellung: „Ertragen können wir sie nicht – Martin Luther und die Juden“, verfasst von Pastorin Hanna Lehming.)

Diese Ausstellung werden wir in der Kreuzkirche zeigen, und freuen uns sehr, die Beauftragte für den Christlich-Jüdischen Dialog der Nordkirche, Hanna Lehming, als Gast begrüßen zu dürfen. Sie hat diese Ausstellung konzipiert und möchte mit uns ins Gespräch kommen. Geplant wird unsere Veranstaltung unter den im Juli 2020 geltenden Verordnungen gegen das Corona-Virus. Etwaige Änderungen sind also vorbehalten.
Pastorin Riepkes

 

Programm
Regionaler Reformationstag am 31. Oktober 2020

  • ab 14 Uhr Besuch der Ausstellung
  • 14.30 Uhr Andacht und Ausstellungseröffnung „Luther und die Juden“,
    Pastorinnen Riemer und Riepkes
  • 15.00 Uhr Vortrag von Hanna Lehming, Beauftragte der Nordkirche für den Christlich-Jüdischen Dialog

Im Falle von Corona-Einschränkungen wird die Veranstaltung um 16 Uhr wiederholt.

 

Ort: Kreuzkirche Alt-Barmbek, Wohldorfer Str. 30

Die Ausstellung wird am Reformationstag eröffnet und auch in den darauf folgenden Tagen zu sehen sein. Die genauen Zeiten entnehmen Sie bitte den vorher aushängenden Plakaten.